Wie grundlegend KI das Informationsverhalten von Nutzenden verändert, wurde beim vierten Meetup des AI for Media Network deutlich. Die kanadische KI-Expertin Nikita Roy rät Medien, zum Anbieter strukturierter Informationen in Echtzeit zu werden. Darüber hinaus wurden praktische KI Use Cases im Bereich Video- und Bildproduktion vorgestellt.

Am 10. Juli traf sich das AI for Media Network zu seinem vierten Meetup. Thema: Video- und Bildproduktion mit KI. Der Veranstaltungssaal im BR-Funkhaus war mit 110 Teilnehmenden bis zum letzten Platz gefüllt. BR-Intendantin Dr. Katja Wildermuth eröffnete das Event mit einem Grußwort.
Wildermuth: Medien sollen bei KI kooperieren statt konkurrieren
Sie plädierte für ein starkes KI-Ökosystem, in dem Medien kooperieren statt konkurrieren. „Im KI-Zeitalter sind wir als BR und als ARD nur ein Player unter vielen. Umso wichtiger ist es, auf Partnerschaften zu setzen. Das AI for Media Network ist dafür ein zentraler Baustein.“

Nikita Roy: User wollen sich mit den Nachrichten unterhalten
Großen Anklang fand die Keynote der kanadischen KI-Expertin Nikita Roy, Host des Podcast Newsroom Robots. Die User wollten Nachrichten nicht mehr nur lesen und anklicken, sondern mit ihnen interagieren. Etwa indem sie per Spracheingabe sagen, was sie interessiert und in welcher Form sie Inhalte konsumieren wollen, also ob als Text, Video oder Audio. Darauf müssen Medien nicht nur die Benutzeroberflächen ihrer Produkte anpassen, sondern auch die zugrunde liegenden Inhalte strukturiert aufbereiten. Das neue Selbstverständnis von Journalismus müsse laut Roy sein: „Wir liefern strukturierte Informationen in Echtzeit.“
Pipeline für automatisierten Videoschnitt
Danach wurden vier Use Cases für den Einsatz von KI im Bereich Video- und Bildproduktion vorgestellt.
Jörg Pfeiffer vom AI + Automation Lab des BR demonstrierte „SchnittmAIster“, eine KI-gestützte Pipeline, die den automatisierter Videoschnitt erleichtert. Das LLM Gemini 2.5 Pro von Google analysiert das Videomaterial und gibt einen Schnittvorschlag aus. Daraus wird eine XML-Datei erstellt, welche die nötigen Schnitte und alle Metadaten zum Video enthält. Diese Schnittliste kann die Redaktion dann in dem Videoschnitt-Programm Adobe Premiere öffnen, wo sie dann noch bei Bedarf letzte Anpassungen machen kann. Zusätzlich erstellt eine KI auch ein Voice Over für das Video. Mit dem Projekt hatte ein ARD-Team bereits den AI for Media Hackathon im Mai gewonnen, nun wird an dem Workflow weitergearbeitet, mit Fokus auf Produktion von Nachrichtenvideos.
Klaus Kranewitter und Marcus Mueller von der Filmproduktionsfirma Enrico Palazzo präsentierten diverse Einsatzbereiche, in denen sie KI nutzen, um synthetische Bilder oder Videos zu erstellen. Zum Beispiel als Ersatz für Stockfotos oder für Videos über historische Ereignisse in ihrem funk-Format Geschichtsgulasch. (Link). Die Bilderstellung funktioniert oft mit Open Source Tools wie ComfyUI gut, während sich für Videos eher cloudbasierte LLMs wie Sora, Veo oder Hailuo anbieten.







Impressionen vom 4. AI for Media Meetup. Alle Fotos: BR/Markus Konvalin
Videos in verschiedenen Sprachen erstellen
Mit Markus Hausmann von Tamedia begrüßte das AI for Media Network erstmals einen Redner aus der Schweiz. Hausmann demonstrierte, wie Tamedia Videos, die in Schweizerdeutsch eingesprochen wurden, mit Hilfe von Hey Gen in eine französische Version übersetzt, die Stimme des Sprechers wird dabei geklont.
Jan Georg Plavec zeigte den Workflow mit dem die Stuttgarter Zeitung KI-generierte Symbolbilder für verschiedene Rubriken des service-orientierten Angebots StZ Extra in einem einheitlichen Stil erstellt: Sobald der Text fertig ist, sammelt die Redaktion im Ideen für die Motive der Illustration. Mit Hilfe von ChatGPT wird ein Prompt für Midjourney erstellt, die Bild-KI generiert daraufhin Bilder, die wiederum von der Gestaltern der Stuttgarter Zeitung verfeinert werden.
Zum Abschluss stellte Felix Rieger das kürzlich gestartete KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) der Medien Bayern GmbH vor. Dabei legte er den Fokus auf das so genannte KI-Reallabor, in dem bayerische Medien kostenlos eine KI-Machbarkeitsstudie durchführen lassen können. Als Beispiel zeigte Rieger den Radio Chatbot von Antenne Bayern. Hier wird das Radioprogramm fast in Echtzeit transkribiert. Über einen Chatbot, der auf einem RAG-System mit den Radio-Transkripten basiert, können Hörer:innen direkt Fragen zum Programm stellen.
Mitglieder des AI for Media Network finden die Aufzeichnung und die Präsentationen auf dieser Password-geschützten Seite.
Nächstes Meetup am 25. September beim WDR in Köln
Das nächste Meetup des AI for Media Network findet am 25. September beim WDR in Köln statt. Dann wird es um die Frage gehen, wie Medien ihre Inhalte mit Hilfe von KI-Systemen besser für Nutzende zugänglich machen können. Um über alle Neuigkeiten und Events des AI for Media Network informiert werden will, kann hier unseren Newsletter abonnieren.