Die KI & Search-Studie von BR und ARD SEO zeigt, wie sich die Informationssuche durch KI-Tools und KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen verändert: Die Zero-Click-Gefahr ist real. Für Anbieter von Nachrichten gibt es aber auch ein paar erfreuliche Befunde.
Seit der Veröffentlichung von ChatGPT, aber vor allem seit der Einführung der „AI Overviews“ von Google herrscht Unruhe in der Medienbranche. Neben Urheberrechts- und Leistungsschutzthemen bewegt die Frage, inwieweit die KI-generierten Antworten die Nutzenden davon abbringen, überhaupt noch redaktionell gestaltete Websites aufzurufen. Für öffentlich-rechtliche Web-Angebote geht es dabei um Sichtbarkeit und Relevanz.
Eine Studie der BR-Medienforschung in Zusammenarbeit mit ARD SEO hat die Rolle von KI bei der Informationssuche untersucht. Für die Studie hat das Institut IFAK im Oktober 2025 1.200 Personen zwischen 16 und 69 Jahren in Deutschland befragt, die das Internet nutzen. Für diese Gruppe sind die Ergebnisse repräsentativ.
Mehr als 80 Prozent der Befragten haben bei der Informationssuche schon KI genutzt
82 Prozent der 16- bis 69-Jährigen in Deutschland haben zur Informationssuche bereits eine Form von Künstlicher Intelligenz (KI-Tools oder KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen) genutzt, 61 Prozent tun dies regelmäßig (d.h. täglich oder wöchentlich). Die in verschiedenen Suchmaschinen auffindbaren KI-Zusammenfassungen sind Teil der mindestens wöchentlichen Suchroutine von 41 Prozent der Befragten.
Noch verbreiteter sind KI-Tools wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity mit einem wöchentlichen Nutzerkreis von 49 Prozent. Dabei ist zu bedenken, dass das meistgenutzte und erste Tool seiner Art, ChatGPT, erst seit knapp drei Jahren verfügbar ist.
KI als Suchwerkzeug ist vor allem bei jüngeren Menschen beliebt: 87 Prozent der 16- bis 29-Jährigen und 72 Prozent der 30- bis 49-Jährigen sind regelmäßige Nutzer von KI-Zusammenfassungen oder KI-Tools.
Hinweise auf geringere Nutzung redaktioneller Angebote wegen KI
Um festzustellen, wie sich die Informationssuche durch KI verändert hat, sollten die Nutzenden von KI-Tools und KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen (mind. selten; 46 % der gesamten Stichprobe) einschätzen, ob sie bestimmte Online-Angebote zur Informationssuche seit der Verfügbarkeit dieser KI-Anwendungen häufiger oder seltener nutzen. Dabei kamen nachrichtliche Websites und Apps relativ glimpflich davon, wenngleich sich ein leichter Nutzungsrückgang abzeichnet: 11 Prozent nutzen Nachrichten-Websites des öffentlich-rechtlichen Rundfunks häufiger, 16 Prozent nutzen sie seltener. Die Werte für Websites privater Nachrichtenanbieter sind fast identisch.
Düsterer ist das Bild für Blogs und Foren und Wikipedia: Bezogen auf den Teil ihrer jeweiligen Nutzerschaft, der KI-Zusammenfassungen und KI-Tools zumindest selten nutzt, verlieren sie rund ein Fünftel ihrer Publika.

Zero-Click-Gefahr ist real
Um belastbare Zahlen zur Nutzung bzw. Nicht-Nutzung weiterführender Links bei KI-generierten Antworten zu erhalten, wurden die Befragten nach ihrem Online-Suchverhalten innerhalb der letzten Woche gefragt. 54 Prozent derjenigen, die in diesem Zeitraum KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen begegnet sind, klickten in höchstens der Hälfte der Suchvorgänge auf einen weiterführenden Link. Die Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass eher auf weiterführende Links innerhalb der herkömmlichen Suchergebnisliste geklickt wird, als in der KI-Zusammenfassung selbst. Der Effekt ausbleibender Link-Klicks dürfte aber sogar noch ein Stück größer sein. Denn unter den Nutzenden von KI-Zusammenfassungen geben 19 Prozent an, dass ihnen in den Überblicken bisher noch gar keine weiterführenden Links aufgefallen sind.
In KI-Tools enden nochmal deutlich mehr Anfragen ohne die Prüfung der Quelle: Hier sagen 76 Prozent der Nutzer innerhalb der Woche vor der Befragung, dass sie in höchstens der Hälfte der Suchvorgänge weiterführende Links aufgerufen haben.
Bei Nachrichten klicken Nutzende von KI-Tools eher auf den Link zur Originalquelle
Wann ein weiterführender Link angeklickt wird und wann nicht, hängt auch mit dem Thema zusammen. Bei aktuellen Nachrichten ist es sowohl in KI-Tools als auch in KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen wahrscheinlicher als in vielen anderen Themenbereichen, dass Menschen auf vertiefende Links zu Originalquellen klicken.
So sind bei KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen bei Themen wie „Wetter“, „Sportereignissen“ Links-Klicks zu Originalquellen unwahrscheinlicher. Gleiches gilt für Unterhaltungs- oder Alltagsthemen (wie z.B. Rezepte oder Alltagstipps), unabhängig davon, ob entsprechende Inhalte über KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen oder KI-Tools rezipiert werden.
Für „schwierige Themen“ wie Wissen und Forschung, Gesundheit und Ernährung, Politik und Gesellschaft sowie aktuelle Nachrichten ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass Nutzer von KI-Antworten auf die ursprüngliche Quelle klicken.

Hohe Zufriedenheit mit der Qualität der KI-Antworten, aber begrenztes Vertrauen
Grundsätzlich bewerten die Nutzenden die Qualität KI-generierter Antworten in Suchmaschinen wie KI-Tools überwiegend positiv. Besonders hervorgehoben werden Benutzerfreundlichkeit, Aktualität und Relevanz. Diese positive Bewertung der Nutzenden steht im Gegensatz zu Messungen der Qualität von KI-Antworten. So kam die im Oktober 2025 veröffentlichte EBU-Studie „News Integrity in AI Assistants“ zu dem Ergebnis, dass 45 Prozent der Antworten aus KI-Tools mindestens einen gravierenden Fehler enthalten.
Hohes Vertrauen in Websites und Apps von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privatmedien
Trotz der hohen Nutzung und positiven Bewertungen vertrauen nur etwas mehr als die Hälfte den KI-generierten Infos. Das höchste Vertrauen genießen mit 84 Prozent (19% vertraue ich sehr, 65% vertraue ich eher) klassische Suchmaschinenergebnisse. Neben der intensiven Alltagseinbindung von Google & Co. dürfte ein starkes Gefühl von Selbstwirksamkeit der Nutzenden (selbst gesteuerte Auswahl der final genutzten Quellen) zu dieser Top-Platzierung beitragen. Daneben genießen Websites und Apps des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit 72 Prozent und von privaten Medienanbietern (67 Prozent) bei der Informationssuche weiterhin ein deutlich größeres Vertrauen als KI-Anwendungen.
Dies ist insofern ein wichtiges Ergebnis für etablierte Medienanbieter, als die Vertrauenswürdigkeit von Informationen nach der Richtigkeit das zweitwichtigste Kriterium der Nutzenden bei der Informationssuche ist. 92 Prozent der Deutschen von 16 bis 69 Jahren ist sie sehr oder eher wichtig.

Trotz der Herausforderungen, die durch die zunehmende Nutzung von KI-Tools und KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen entstehen, gibt es für Medienanbieter erfreuliche Befunde. Erstens zeigt die Studie, dass das Interesse an Nachrichten weiterhin hoch ist, da Nutzende bei aktuellen Themen eher bereit sind, auf Links zur Originalquelle zu klicken. Dies deutet darauf hin, dass Nachrichtenmarken trotz der Konkurrenz durch KI-generierte Antworten eine wichtige Rolle spielen.
Zweitens bleibt die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichtenanbietern, insbesondere von öffentlich-rechtlichen und privaten Medien, hoch. Während KI-generierte Informationen nur begrenztes Vertrauen genießen, vertrauen die Nutzenden klassischen Suchmaschinenergebnissen sowie den Websites und Apps von etablierten Medien deutlich mehr. Diese Faktoren unterstreichen die anhaltende Relevanz und Bedeutung von redaktionell gestalteten Nachrichtenangeboten und professionellen SEO-Aktivitäten in der digitalen Informationslandschaft.