KI verändert nicht nur die Art, wie Nachrichten entstehen – sondern auch, wie Menschen sie nutzen. Der News Impact Summit „Elevating Journalism with AI“ zeigte: Wer die Gen Z erreichen will, muss weg vom Senden und hin zum Mitgestalten. Und auch beim Einsatz von KI geht es weniger um Technik als um Vertrauen, Kontext und Haltung.
Jedes Jahr veranstaltet das European Journalism Center den News Impact Summit in Zusammenarbeit mit der Google News Initiative. In diesem Jahr stand der Summit unter dem Motto „Elevating Journalism with AI“. Also genau unser Thema, weswegen das AI for Media Network nun Programmpartner der Konferenz war, die am 9. Oktober in Warschau stattfand. Netzwerk-Manager Bernd Oswald blickt auf drei seiner persönlichen Programmhighlights zurück.
Was die Öffentlichkeit über generative KI in Nachrichten denkt
Das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford hat in seinem neuen Report „Generative AI and News 2025“ untersucht, wie Menschen den Einsatz von KI im Journalismus bewerten. Befragt wurden mehr als 12.000 Personen, jeweils etwa 2000 in Argentinien, Dänemark, Frankreich, Japan, Großbritannien und den USA.

Richard Fletcher, Director of Research am Reuters Institute, berichtete, dass sich die Nutzung von KI-Tools innerhalb eines Jahres verdoppelt habe. Vor allem jüngere Nutzende verwendeten KI, um sich Nachrichten in eine für sie verständlichere Form bringen zu lassen.
Trotzdem lässt sich insgesamt betrachtet, eine gewisse Skepsis ausmachen, was KI-generierte Inhalte betrifft:
- 62 % der Befragten bevorzugen Nachrichten, die vollständig von Menschen erstellt wurden.
- Am meisten akzeptiert wird KI „hinter den Kulissen“ (z. B. Korrekturlesen, Übersetzung, Datenanalyse).
- Am wenigsten akzeptiert ist KI bei sichtbarer Inhaltserstellung (z.B. komplette Texte, realistisch anmutende Bilder, Avatare).
Eine relative Mehrheit ist der Ansicht, dass generative KI es Medien ermöglicht, Nachrichten billiger zu produzieren und dass man durch KI-generierte News noch besser up-to- date bleiben kann. Gleichzeitig schätzen die Befragten, dass mit Hilfe von KI produzierte Nachrichten weniger vertrauenswürdig sind. Fletchers Fazit: Insgesamt bleibt das Publikum vorsichtig, was den Einsatz von KI im Journalismus betrifft: KI dürfe helfen, die Verantwortung für die Inhalte müsse aber bei den Journalist:innen bleiben. Die komplette Studie ist auf der Website des Reuters-Institutes zu finden.
JournalismAI Innovation Challenge: Wie kleine Redaktionen KI sinnvoll nutzen
Im AI for Media Network werden wir oft mit der Frage konfrontiert: Wie können kleinere Redaktionen ohne große Mittel KI für ihre Zwecke adaptieren? Bei der Initiative JournalismAI gibt es ein Programm, das genau für diese Zielgruppe gedacht ist: Die JournalismAI Innovation Challenge. In Warschau zeigte Programmmanagerin Lakshmi Sivadas vier Projekte, die in diesem Programm gefördert wurden. Ein Beispiel: Gubbi Labs LLP aus Indien hat eine LLM-basierte Anwendung entwickelt, die wissenschaftliche Fachartikel in ansprechende Geschichten umwandelt (Alle 35 Projekte sind auf der Website der JournalismAI Innovation Challenge beschrieben).

Sivadas präsentierte sechs wichtige Lektionen aus dem Programm:
- Mit dem Problem beginnen– nicht mit der Technologie.
- Redaktionelle Standards gelten auch für KI.
- Interdisziplinär arbeiten und außerhalb der Branche kooperieren.
- Tools nahtlos integrieren, sonst nutzt sie niemand.
- Feedback und Iteration sind entscheidend.
- Den menschlichen Faktor nie vergessen.
Auch Sivadas betonte, dass KI keine Journalist:innen ersetzt, sondern ihre Möglichkeiten erweitert. Erfolgreiche Projekte starteten nicht mit der Frage „Was kann KI?“, sondern mit der Frage: „Was braucht unser Publikum?“
Die Gen Z braucht Formate, mit denen sie sich identifizieren kann
In ihrem Vortrag „Why GenZ would rather talk to news than read your article“ analysierte Ilona Vinogradova, Gründerin der Filmproduktionsfirma LovinFilms Pro, wie KI das Mediennutzungsverhalten verändert und welche Konsequenzen der Journalismus daraus ziehen sollte, speziell, was die Ansprache der GenZ betrifft.
Der Erfolg von generativer KI wie ChatGPT liege darin, dass jeder Nutzer eine individuelle Antwort bekomme. Vinogradova bezeichnete KI als „hyperpersonalisiertes Storytelling-Ökosystem“.

Medien würden hingegen noch viel zu oft nach dem Artikel-Prinzip arbeiten: statische, monolithische Inhalte nach der Devise „One size fits all“. Gerade die GenZ verlange aber nach Formaten, mit denen sie sich identifizieren kann. Journalismus müsse viel stärker die Frage „So what?“ beantworten und den Kontext von Nachrichten zur Lebenswirklichkeit der jungen Nutzenden herstellen.
„Die Gen Z wendet sich nicht von Nachrichten ab – sie wendet sich von Formaten ab, die ihre Intelligenz oder ihren Wunsch zur Beteiligung nicht respektieren“, sagte Vinogradova. Ihre Empfehlung an Journalist:innen: „Wir sollten vom Publisher zur Plattform für eine Community werden. Journalismus werde nicht mehr für, sondern mit dem Publikum gemacht.“
Aufnahmen bald auf YouTube verfügbar
Videos der Vorträge, die auf der Hauptbühne gehalten wurden, werden in den nächsten Tagen auf dem YouTube-Channel des European Journalism Centre veröffentlicht.